Fieberflut
Band 1 · Gezeiten von morgen
Die Flut haben sie überlebt. Doch gegen dieses Fieber ist kein Kraut gewachsen.
Klimaroman · Hopepunk · Gemeinschaft

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Die Geschichte
Fünfzig Jahre ist es her, dass das Wasser kam. Die Ältesten nennen es die Losbindung: den Moment, in dem ihre Großeltern aufhörten, gegen das Meer zu kämpfen, und anfingen, darauf zu leben.
Havenswell ist das, was daraus entstanden ist. Siebzehn schwimmende Plattformen auf einer Flussmündung, gebaut aus lebender Weide, geborgenen Fässern und Myzel. Dreihundert Menschen. Gärten, die an Türmen in den Himmel wachsen, Kinder, die über Seilbrücken rennen, ein Generator, der mit den Gezeiten singt.
An einem schönen Sommermorgen spürt die Gezeiteningenieurin Seren, dass etwas nicht stimmt, obwohl jede Anlage einwandfrei läuft. Auf seiner Veranda hustet der alte Tam. Vor der Heilhütte bildet sich eine Schlange.
Um Mitternacht ist Tam tot.
Als die Totenglocke dreiundsiebzig Mal schlägt, erkennt der alte Segellehrer Gull diesen Husten wieder. Er hat ihn schon einmal gehört: vor fünfzig Jahren, in einem Krankenhaus in Bristol, kurz bevor das Wasser kam. Die Kundschafterin Wren kehrt nach einer Woche auf offenem Wasser heim und findet ein Dorf, das verstummt ist. Türen bleiben geschlossen, die Speiseplattformen leer, und die Angst schafft, was dem Fieber allein nicht gelingt: Sie zerreißt die Gemeinschaft.
Dann erkrankt die Heilerin Cora. Ihr Lehrling Moss bleibt allein zurück, mit zweihundert Kräutern, die nichts ausrichten, und den alten Büchern einer Großmutter, die einmal Apothekerin war. Moss weiß, welche Medikamente helfen würden. Nur kann sie in Havenswell niemand mehr herstellen. „Das ist, als hätte man ein Rezept für Brot, aber kein Mehl, keine Hefe, keinen Ofen.“
Und Gull trägt eine Vergangenheit mit sich, über die er fünfzig Jahre lang geschwiegen hat. Aus der versunkenen Stadt, aus der er einst floh, kommen Gerüchte: von Lichtern in den alten Türmen.
Was, wenn das Wissen der alten Welt nicht ganz verloren ist? Und wer hätte den Mut, danach zu suchen?
Ein leiser, warmer Klimaroman über eine Gemeinschaft in Zeiten der Angst, über Verlust und Zusammenhalt und über eine Hoffnung, die Mut verlangt.